Schon gefahren: Opel Mokka GSE
Mit dem Mokka GSE bringt Opel nicht einfach ein auf Sport geschminktes elektrisches Kompakt-SUV, sondern bedient sich de...
Mit dem Ibiza wollte sich Seat endlich zu einer eigenständigen und echt spanischen Marke hinaufkonstruieren. Dass das Ergebnis eine teutonische Mixtur italienischen Urpsrungs wurde, sollte die Zukunft überraschend vorwegnehmen.
Der Seat Panda war wohl ein Auslöser. Seat als Lizenzhersteller von diversen Fiats, das war zwar ein guter Anfang für die junge spanische Firma, um erst einmal Kohle zu machen. Aber längerfristig? Da wollte man schon eigenständig werden. Oder sagen wir: eigenständiger, und alles sollte vor Gericht starten. Als man 1981 nämlich den Fiat Ritmo adaptierte, änderte man Front und Heck gröber um als bei bisherigen Fiatseats, und verpasste ihm erstmals auch einen eigenständigen Namen. Der Ronda war zugleich das erste Modell benannt nach einer spanischen Stadt, was den Turiner aber garnicht zusagte. Erst die Judikative legte fest, dass der Ronda eigenständig genug war, um einen eigenen Namen zu tragen, was Auftrieb genug war, das erste echte selbstentwickelte Modell zu entwickeln: den Ibiza.
So einfach war das natürlich nicht, wenn man noch nie ein eigenes Auto entwickelt hat, also griff man sicherheitshalber auf bewährte Partner zurück. Als Basis nahm man einfach die Plattform des Ronda, weil er ja schon einmal da war (also den Ritmo), bei den Motoren wollte man aber nicht rein auf italienische Ware vertrauen. Also klingelte man bei Porsche durch, ob die nicht ein paar Vierzylinder entwickeln könnten. Na logo, wobei man dabei auf bewährte Ware aus dem VW-Regal zurückgriff und diese nur entsprechend modifizierte. Der EA 801 aus dem damaligen Polo brachte es dank der Zuffenhausener auf bis zu 1,7 Liter Hubraum, wie es bei den Wolfsburgern nie vorgesehen war. Kein Wunder, dass Seat gerne „System by Porsche“ auf den Ventildeckel schreiben wollte. Und nachdem vereinbart war, dass 7 Mark pro verkauftem Wagen an die Sportwagenschmiede ging, war man damit auch schnell einverstanden.
Stichwort VW: Um sich endgültig von den Fiat-Jahren abzuheben, musste es natürlich ein komplett neues Design sein. Dabei vertraute man aber doch auf italienische Hilfe und fragte bei Giugiaro an, ob er nicht nach Golf 1 und Uno einen Seat zeichnen könne. Wer italienische Designhäuser kennt, weiß ob der Praxis Bescheid, einzelne Entwürfe öfters zu verwenden. Nachdem Volkswagen zum Beispiel Italdesigns Vorschlag für die zweite Golf-Generation dankend ablehnte, bot sich diese geradezu an, ihn für einen völlig neuen Seat zu verwenden, oder? Sprich: Der erste eigenständige Seat war technisch fast noch ein Fiat mit frisiertem VW-Herz und der Optik aus dem Fiatland eines möglichen Deutschen, was sogar doppelt zutrifft, nachdem Wolfsburg später dann Italdesign einfach aufkaufte.
Klingt alles ziemlich wirr und verknotet. Der Plan dahinter war aber lupenrein. Allein dass Porsche nicht nur den Ventildeckel signierte sondern auch in der Werbung erwähnt werden durfte, kam der erste Ibiza und sein Stufenheck-Kollege Malaga durchwegs gut beim Publikum an. Nicht nur am Heimmarkt, auch bei uns schlug man so das erste Mal spürbare Wellen, zumal das Format auch schlau gewählt war: größer als Polo oder Panda, aber kleiner als Golf oder Kadett. Und billiger. Und porschiger. Was natürlich eine Frage aufwirft: Warum hatte VW eigentlich nichts gegen all das einzuwenden? Ganz einfach: Weil sie seit 1982 mit Seat kooperierten und 1986 schließlich alleiniger Eigentümer waren. Kein Wunder also, dass die Ehe mit Fiat über kurz oder lang beendet werden musste. Und dass man einfach modifizierte VW-Triebwerke verwenden durfte. Ob all das bedeutet, dass es eigentlich nie einen rein von Seat entwickelten Wagen gab oder nicht, darf jetzt jeder für sich selbst entscheiden.
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