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„Jeep hat eine lange Geschichte der Anpassung“

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Oliver Hirtenfelder

Im Gespräch mit Fabio Catone, dem neuen Jeep Europe-Chef über Kundenkreise, Marken-Spirit und den wahren Fakten, die einen echten Jeep ausmachen.

 

FLOTTE: Jeep als Elektroauto und dann auch noch mit Frontantrieb – das sind zwei Details, die für Jeep ziemlich neu sind und vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wären. Wie geht es der Marke Jeep mit diesen neuen Gegebenheiten?
Catone: Grundsätzlich verfolgen wir eine klare Strategie, die „Embrace the Future“ heißt und sich an der Dynamik der Branche orientiert. In Bezug auf die Elektrifizierung im B-SUV-Segment, in dem in Europa noch viele Menschen reine Verbrennungsmotoren nachfragen, bieten wir den Avenger mit Benzinmotor, als e-Hybrid und als BEV an. Im C-SUV-Segment, in dem reine Verbrenner stark zurückgehen, bieten wir den e-Hybrid, den Plug-in-Hybrid und mit dem neuen Compass auch ein BEV an. Und im D-SUV-Segment, das bereits stark elektrifiziert ist und bei dem wir davon ausgehen, dass etwa die Hälfte dieses Segments 2026 rein elektrisch sein wird, werden wir den Wagoneer S und den Recon einführen.

Und Frontantrieb?
In Wahrheit verkaufen wir immer noch einen Jeep. Das bedeutet Fahrzeuge, die für Outdoor-Einsätze und den Alltag ausgelegt sind. Outdoor bedeutet dabei nicht zwingend dasselbe wie 4x4, denn es hängt von der Geometrie ab, vom 360-Grad-Schutz, von Select Terrain und vielen weiteren Features, mit denen man auch mit einem Fronttriebler unterschiedliche Offroad-Niveaus bewältigen kann. Auch der neue Compass ist somit ein Jeep. Und natürlich wird es auch 4x4-Versionen geben, die enorme Fähigkeiten haben wird.

Konnte Jeep mit Avenger und Compass neue Kundenkreise erzielen?
Das ist ein sehr wichtiger Punkt. Jeep ist generell sehr stark bei Kunden, die ihren alten Jeep gegen einen neuen eintauschen. Aber speziell mit dem Avenger konnten wir auch andere Kunden gewinnen. Ich spreche hier von aspirativen Kunden, die auch aus höher positionierten Segmenten kommen. Das ist ein großer Erfolg. 240.000 Bestellungen konnten wir für den Avenger seit Marktstart schon verzeichnen. Und mit dem neuen Compass wollen wir die zweite tragende Volumensäule aufbauen.

Klingt so, als sei es kein Problem, den klassischen Jeep-Spirit mit der neuen Technologie zu verbinden. Was braucht ein Auto, um diesen Spirit zu verkörpern?
Das ist eine wirklich schöne Frage. Jeep ist eine der wenigen Marken weltweit, die seit ihrer Gründung im Jahr 1941 dieselben Werte lebt: Freiheit, Abenteuer, Authentizität und Leidenschaft. Es gibt eine klare Produktformel: Design folgt Funktion, dazu kommt Langlebigkeit und Vielseitigkeit, technische Böschungswinkel, 360-Grad-Schutz, Select Terrain und 4x4 für jedes Modell – das sind die Säulen, um in puncto Fähigkeit „Best in Class“ zu sein: Hindernisse im Gelände und im Alltag zu überwinden. Wenn wir unseren Werten treu bleiben, können wir Jeeps entwickeln, die dem Jeep-Spirit entsprechen.

Ist es für Jeep ein Problem, sich an die Stellantis-Plattformen anzupassen. Was sind die besten Aspekte davon für Jeep?
Zunächst einmal ist Stellantis eine große Chance für Jeep. Man muss bedenken: In nur drei Jahren, zwischen 2023 und 2026, haben wir unser gesamtes Portfolio komplett erneuert. Aber die Plattform ist nicht der Endpunkt – sie ist der Ausgangspunkt. Nehmen wir die STLA-Medium-Plattform: Der neue Compass basiert darauf. Aber wir haben eine spezifische Geometrie, spezielle Fahrwerke und für die 4x4-Version einen speziellen Elektromotor. Dieser ermöglicht es dem neuen Compass 4x4, an der Hinterachse 3.000 Nm Drehmoment bereitzustellen, um selbst 20-Grad-Steigungen ohne Traktion zu bewältigen. Dazu kommen Dinge wie Smartphone-Zugang, One-Pedal-Driving. Jede Marke passt die Plattform an ihre Markenidentität an, und ich denke, Jeep macht hier einen sehr guten Job.

Andere Marken gehen selbst im Offroad-Bereich komplett elektrisch, zum Beispiel Toyota mit dem neuen Hilux. Ist das auch für Jeep in Zukunft ein Thema?
Wie gesagt: Unsere Strategie ist klar – wir umarmen die Zukunft, aber wir schauen immer auf unsere Kunden. Wir betrachten die einzelnen Segmente und passen uns Jahr für Jahr an. Jeep hat eine lange Geschichte der Anpassung – und so werden wir weitermachen.

Wie wichtig ist der Flottenmarkt für Jeep?
Der Flottenmarkt ist absolut entscheidend. Und mit dem neuen Compass haben wir hier eine große Chance. Er ist perfekt für Langzeitmiete, Firmenwagen und Flotteneinsatz. Warum? Erstens bietet er im Vergleich zur vorherigen Generation mehr Vielseitigkeit und mehr Innenraum. Der 360-Grad-Schutz sorgt zudem für einen besseren Restwert am Ende des Fahrzeuglebens. Dazu kommt die volle Freiheit bei der Motorenwahl, der gute Verbrauch. Wir sind überzeugt, dass wir mit dem neuen Compass im Flottensegment wachsen können.

Glauben Sie, dass ein gutes Händlernetz für den Flottenmarkt wichtig ist? Und eine Zusatzfrage: Ist es für eine starke Marke wie Jeep besser, wenige spezialisierte Händler zu haben oder ein großes Netzwerk?
Das hängt tatsächlich vom Markt ab. In manchen Märkten braucht man dedizierte Verkäufer für den Flottenbereich. Manchmal sind auch Mehrmarken-Verkäufer sinnvoll, den Flottenkunden eine passende Gesamtlösung anbieten zu können. In anderen Märkten ist es besser, bestimmte Händler gezielt auf Flottenlösungen zu spezialisieren. Ich würde sagen: Es hängt vom jeweiligen Markt und den Rahmenbedingungen ab.

Wir alle kennen die klassischen Jeep-Modelle wie den CJ7 und ähnliche. Glauben Sie, dass solche einfachen Jeeps heute unter Sicherheits- und Wirtschaftlichkeitsstandards noch möglich sind? Oder ist das Vergangenheit, weil es dafür keine Käufer mehr gibt?
Im Jahr 2026 werden wir drei neue Modelle auf den Markt bringen. Ich denke, das ist erst einmal genug. Danach werden wir sehen, was kommt. Jede Marke arbeitet derzeit am Stellantis-Strategieplan. Wir haben Ideen – jeder hat Ideen. Bleiben Sie also gespannt.

Wird es aufgrund eines neuen Corporate-Identity-Brandings finanzielle Kosten für Händler geben?
Nein. Im neuen Retail-Modell liegen die Kosten auf unserer Seite.

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