Schon (vorab) gefahren: Cupra Raval
4,05 Meter lang, tiefergelegt, verbreiterte Spur: Der Cupra Raval ist das erste Auto auf der neuen, kleinen Elektro-Plat...
Traktion ist alles, oder? Also sind vier Vorderräder doch immer besser als derer zwei, oder? Was cool klingt, muss sich in der Praxis aber nicht zwangsläufig als besser entpuppen. Dass der Covini C6W wie ein fragwürdiges Rendering wirkt, ist noch das harmloseste Detail.
Wer die Geschichte des Automobils ein wenig mitverfolgt, entdeckt nach einiger Zeit überraschende Similaritäten. Die Pedalanordnung zum Beispiel. Oder die Anwesenheit eines Lenkrads. Aber auch auf die Tatsache, dass alle, wirklich alle Autos über vier Räder verfügen. Man hat sich an den Anblick also schon einigermaßen gewöhnt, was unbedingt zu beachten ist, wenn man technische Innovationen durchsetzen möchte, die mit dem kollektiven Verständnis für Technik ein wenig kollidieren könnten. Versteht sie der Nutzer nämlich nicht, kann sie so toll sein wie sie möchte, womit wir auch schon beim C6W wären, dessen Geschichte fast 30 Jahre vor seinem Erscheinen los geht.
Und streng genommen, war es von Anfang an die Idee hinter Covini Engineering, nicht das zu bauen, was alle bauten (und verkauften). Von Ferruccio Covini 1978 gegründet, machte sich die Firma einen Namen mit Sportwagen, die allesamt über einen Dieselmotor verfügten. Die letzten Modelle hatten sogar das Potenzial, 300 km/h schnell zu sein, wobei es eigentlich kaum einer von diesen Typen jemals über den Prototypenstatus hinausschaffte. Los ging es aber mit einer noch schrägeren Idee eines Sportwagens, der von einem ganz bestimmten Formel-1-Autos inspiriert wurde. Der Tyrrell P34 war der erste und auch einzige Renner, der probierte, mit vier statt zwei Vorderrädern die ganze Sportwelt auf den Kopf zu stellen. Mehr Aufstandsfläche bedeutet schließlich mehr Grip. Das komplexe Zusammenspiel aus unnötigem Extragewicht, wahnwitziger Lenkgeometrie und einer bemitleidenswerten Optik ließ nicht nur die Zuschauer an der Sinnhaftigkeit zweifeln. Auch die Fahrer fanden die Fahreigenschaften wenig vertrauenswürdig, sodass man schnell zum bewährten Vier-Räder-Setup zurückkehrte, vor allem weil auch die FIA im Reglement für Ordnung sorgte und derlei Sperenzchen verbietete. Covini hatte an diesem System aber einen Narren gefressen.
In den 1970ern ging es mit der Entwicklung also los, wobei sich die Planung schwieriger gestaltete als geplant. Lenkrollradius, Ackermann-Prinzip, Eigenlenkverhalten – auf der Straße gibt es völlig andere Dinge, die weit komplexer sein können als auf einer schönen F1-Strecke. Dass man ausgerechnet deswegen das Projekt auf Eis legte, weil es zu jener Zeit noch keine Niederquerschnittreifen gab (schließlich sollte das Sechs-Räder-Design ja für mehr Grip sorgen), zeigte aber schön, wie mühsam es sein kann, im Niemandsland der Physik nach technischen Lösungen zu suchen. Vor allem als kleines Startup. Also beschäftigte man sich in der Zwischenzeit lieber mit Dieselsportwagen, ehe es 2003 dann doch wieder soweit war und man den C6W endlich auf die Straße bringen wollte.
Die Technik schritt bis ins neue Jahrtausend jedenfalls deutlich voran. Von Audi konnte man einen V8 mit 440 PS Leistung rekrutieren, dank modernster Composit-Fertigung und Rohrrahmenbauweise blieb das Gewicht bei knapp über 1.100 Kilogramm und über die Platzverhältnisse sollte alles gesagt sein, wenn man bedenkt, dass auf 4,18 Metern Länge neben dem großen Motor und den zwei Vorderachsen auch noch zwei Sitze plus Lenksäule und Blinkerhebel untergebracht werden mussten. Die Formensprache bekam dadurch aber einen noch schrägeren Einschlag und mutete für viele wohl wie eine fragwürdige Computergrafik und weniger wie ein echtes Supercar an. Und genau hier lag dann auch das eigentliche Problem des C6W.
Die geplante Stückzahl von sechs bis acht Autos pro Jahr trafen auf ein zahlungskräftiges wie kritisches Klientel, das schon anhand der Optik (hinten 20-Zoll-Räder, vorne nur 16 Zoll) Zweifel an der Fahrbarkeit aufkommen ließ. Umso bedauernswerter, da die Technik an sich schon schwer zu erklären und noch schwerer zu verkaufen war. Dass sich der Wagen aber überraschen gut und einfach fuhr, war dann schon egal, denn ein Image lässt sich auch mit den besten Argumenten kaum wegdiskutieren. Somit bleibt das restliche Schicksal des C6W nach seiner endgültigen Premiere im Jahre 2005 im Reich der Mythen und Gerüchte. Tatsächlich war der Wagen noch lange offiziell bestellbar, auf Wunsch sogar mit einem V12. Wieviele aber wirklich produziert und verkauft wurden, lässt sich nicht sagen. Sehr wohl aber, dass es nach dem Panther 6 und dem Covini C6W nie wieder ein Auto gab, das das Diktat der Vier-Räder-Konfiguration durchbrechen wollte.
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